Auf die Zinnen, Brüder!

Die Fabianus- und Sebastianus-Schützenbruderschaft steckt schon voll in den Fest-Vorbereitungen. 425 Jahre besteht der Verein, und seit Monaten werkeln acht Schützenbrüder eifrig am großen Festbogen. Dieser soll am Samstag am Zugang zum Festplatz aufgebaut werden.

Sie bauten den Bogen zusammen und nahmen auf den Zinnen Platz (v.l.): Josef Kemper, Hermann Bitting, Franz-Hubert Wesseler, Markus Wesseler, Josef Gerding und Helmut Sprey

„Machen Sie das aber bloß nicht so groß“ gibt der Schützenbruder dem Berichterstatter nach dem Termin in der ehemaligen Fleischfabrikhalle mit auf den Weg. Doch dieser wird das Gefühl nicht los, dass die Fabianus-Brüder ihr Licht einfach nur ein wenig unter den Scheffel stellen wollen.
 

Deshalb fällt der Bericht natürlich groß aus – groß wie das Tor, an dem acht Schützenbrüder seit Monaten herumschrauben und -malen. Groß wie das Ereignis, auf das es hinweist: Schließlich blicken die Schützen im Juli auf ihre 425-jährige Geschichte zurück.

Siebeneinhalb Meter in der Breite und über sechs Meter hoch ist dieser Trumm von Tor. Wobei das Augenmaß von Handwerkern bei der Aufgabe zwar immer gut ist, die Männer hier aber nach einen genauen Plan werkeln. Pi mal Daumen ist nicht nötig, da Architekt Karlo Tewes – ein Schützenbruder – die Zeichnung zum Tor samt der Bemaßung lieferte und das Ingenieurbüro Josef Fislage die Statik dazu.
 

Ein Blick ins tragende Gerüst lässt die Vermutung zu, dass das Festtor fast schon als Wiederaufbau des Mühlentores taugt und für die Ewigkeit konzipiert ist. Wuchtige Kanthölzer tragen schwere OSB-Platten. Tonnenschwer ist der Aufsatz, der am Samstag über der Zufahrt zur Mühle aufgestellt werden wird. Der Kran des Unternehmens Wisse rollt an, um die Einzelteile des Bogens aus der Halle zu holen und auf einen Tieflader der Firma Waterhoff – dort gibt es gleich drei Schützenbrüder – zu verladen.

Damit das Tor frei stehen kann und nicht abgespannt werden muss, liefert die Firma Moll aus Nottuln – dank der Kontakte eines Schützenbruders – zwei wuchtige Betonfundamente, auf denen die beiden Säulen des Tores verschraubt werden. Massive Halterungen sind verbaut worden, damit auch ein heftiger Wind dem Bogen nichts anhaben kann und dieser sein etwa einmonatiges Intermezzo am Standort vor dem Festgelände unbeschadet und ohne Gefahr für die Durchfahrenden übersteht.

Für die Stabilität des Holzbaus sorgt ein Sextett, das unter der Federführung von Josef Gerding bereits zweieinhalbtausend Spax-Schrauben durch die Platten drehte, um selbige am Kantholz-Gerüst zu befestigen.
 

Filigraner wurde es dann in der letzten Zeit, als die beiden Maler Werner Pöpping und Hermann Holtewert Steine und Fugen aufmalten und dazu die Bekrönung des Tores mit den Gemeindewappen verzierten. Froh zeigt sich Fabianus-„Bauleiter“ darüber, dass die Truppe während der kompletten Bauphase die leer stehenden Feldhues-Hallen – ja, genau, auch die gehören einem Schützenbruder – nutzen durften. So können Werkzeuge und Farbeimer auch mal stehen bleiben. Die Baustelle muss nicht immer aufwendig aufgeräumt werden.
 

Dass der Gründer-Geist der Fabianen – die sich vor 425 Jahren bekanntlich durch einen Vertrag mit dem Stift verpflichteten, die Stadttore Metelens zu sichern – auch noch in ihren Ahnen steckt, zeigt sich dann beim obligaten Erinnerungsbild: Fürs Foto erklimmen die Schützen doch glatt die Zinnen. Aber nicht mit Piken und Lanzen bewaffnet, sondern lediglich in Jeans oder Blaumann.

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Quelle: Münstersche Zeitung vom 22.06.2016 Online - von Dieter Huge sive Huwe /Foto: Huge sive Huwe

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